Die Blankenburger Kirche braucht Hilfe!

Die Blankenburger Feldsteinkirche im historischen Zentrum auf dem Dorfanger braucht Ihre Hilfe!

Die Außenhaut des Gebäudes mit ihrem Mauerwerk, das zu großen Teilen aus dem 13. Jahrhundert stammt - mit einigen Erweiterungen im  15. Jahrhundert – ist „schwer krank“: Es lösen sich großflächig Teile des Fugenverstrichs. Ursache sind offenbar falsche Zementmörtel-Sanierungen aus den beiden letzten Jahrhunderten.

Die Notwendigkeit einer durchgreifenden Mauerwerkssanierung ist unausweichlich.

Der Umfang der notwendigen Arbeiten wird derzeit ermittelt. Schon jetzt steht fest, daß die Schäden sehr viel größer sind, als erwartet.

Inzwischen beträgt das Finanzierungsvolumen ca. 300.000 EUR. Diese enorme Summe kann die kleine Gemeinde unmöglich alleine aufbringen.

Daher helfen Sie bitte und Spenden Sie für den Erhalt der Blankenburger Feldsteinkirche.

www.kirche-blankenburg.de

Die Kirche zu Blankenburg

von Sascha Guzy, 2011

Die Luft ist stickig, Kinder weinen, es stinkt nach Vieh, Mist und Urin. Dicht an dicht drängen sich die Menschen mit ihren wenigen noch gebliebenen Habseligkeiten im Kirchenschiff. Auch zwei Schafe und eine trächtige Sau befinden sich im Innern. Mehr ist ihnen nicht geblieben. Einige murmeln Gebete vor sich hin. Seit nunmehr drei Tagen harren sie aus und suchen Schutz hinter den mächtigen Mauern der Kirche.

Der Lehnschulze Krüger versucht die Blankenburger zu beruhigen, denn draußen in ihrem Dorf toben und plündern die Soldaten Wallensteins, die 1627/28 die Mark als Durchzugs-

gebiet nutzen und ihr Winterquartier in Bernau haben. Später werden die Dorfbewohner

auch von schwedischen Söldnern drangsaliert. Ihnen ist

meistens nichts mehr als ihr nacktes Leben geblieben.

Sollte die schwere Kirchentür nicht halten, bleibt ihnen nur

noch die Flucht durch den Geheimgang zum damaligen alten

Wohnhaus in der Dorfstraße 17 (heute Alt-Blankenburg 15).

 

So oder so ähnlich kann es sich damals während des Dreißigjährigen Krieges in Blankenburg zugetragen haben.

Der erwähnte Geheimgang soll wirklich existiert haben. Durch ihn konnte man bei Gefahr in oder aus der Kirche gelangen.

Nicht nur die schwedischen und Wallensteinischen Truppen haben den Dorfbewohnern stark zugesetzt, auch die Pest wütete durch die Mark und sorgte für etliche Opfer. Die Witwe des Georg von Barfuß, der das Patronat zu Blankenburg inne hielt und ihre fünf Söhne fielen dem schwarzen Tod in Malchow zum Opfer.

Viele schwierige und wechselhafte Zeiten überstand die um 1240, etwa zehn Jahre nach der Gründung des Dorfes, gebaute Blankenburger Dorfkirche mit ihren bis zu 1,40 Meter dicken romanischen Feldsteinmauern.

Sie war oft das Sorgenkind der Blankenburger Gemeinde und hatte damals noch ein anderes Äußeres als das uns heute bekannte.

Im Innern findet sich ostwärts ein markanter Rücksprung. Dieser weist auf einen später erfolgten Anbau aus dem 14. Jahrhundert hin. An der Südseite befindet sich eine vermauerte ehemalige Tür, die als Priestertür diente um direkt in den Chor gelangen zu können.

Eine weitere an der Südseite befindliche Tür, soll als Zugang zu Empore und als Fluchttür gedient haben. Diese Tür ist im Gegensatz zum älteren Teil nicht aus Feldsteinquadern, sondern aus Formziegel.

Wie dendrochronologische Untersuchungen ergeben haben, erhielt spätestens 1402 – 1405 die Kirche einen neuen Dachstuhl.

Im Ostgiebel befanden sich zwei spitzförmige Fenster, die mit Glasmalerei und zwei darin befindlichen Wappen aus dem Jahre 1577 versehen waren. Bei späteren Umbau- und Erweiterungsarbeiten sind diese Fenster abhanden gekommen.

An den Außen- und Innenwänden der Nord- und Südseite ist zu erkennen, dass die ersten Seitenfenster im Kirchenschiff kleiner waren. 1884 / 85 wurden diese Fenster von einem Bernauer Maurer- und Zimmermeister vergrößert. Erst 1940 bekamen bei Restaurierungsarbeiten die Seitenfenster ihre heutige Form. Die ehemaligen Fenster im Ostgiebel blieben vermauert.

Den Innenraum des Blankenburger Gotteshauses, findet man in einem eher schlichten Zustand mit weißgetünchten Wänden. Bis 1785 war genau das Gegenteil der Fall. Reliefs in Stuck, Brustbilder, Figuren, Wappen und Friesen befanden sich zahlreich an der Decke.

Bei Arbeiten von April bis September selbigen Jahres sollte der Innenraum komplett erneuert werden. Jedoch stürzten beim Entfernen eines Stützbalkens, sämtliche Stuckverzierungen von der Decke. Auch die alte Kanzel wurde hierbei zertrümmert. Eine Restaurierung war nicht realisierbar.

Trotz beträchtlicher Schäden wurde am 20.September 1785 die Einweihung der restaurierten Kirche vollzogen. Dabei wurde auch die neue Orgel vom Orgelbauer Dinse aus Berlin gespielt. Die alte Orgel erklang zuletzt am 7.April 1785 bei der Beerdigung des letzten Lehnschulzen Jakob Krüger. Diese Orgel war von 1693 und wurde von einem gewissen B.Hennefuß aus Berlin gefertigt.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde auf einem Harmonium gespielt. Orgelweihe der heutigen Orgel von Firmer Jehmlich, Dresden war am 16.02.1975.

Die heutige Orgelempore wurde 1948 fertiggestellt.

Der Altar mit seinem Abendgemälde von 1695 und dem geschnitzten Holzrahmen, umgeben von zwei Engelsfiguren, wurde durch den Patronat von Barfuß

gestiftet. Das Familienwappen der von Barfuß befindet sich links und rechts im Schnitzwerk.

Johann Steffen von Barfuß stiftete auch die Holztafel mit dem Glaubensbekenntnis, den Taufengel eine Holzplastik mit Taufschale und Spruchband in den Händen, sowie die früheren Kron- und Wandleuchter aus Holz. Die Leuchter sind leider nicht mehr erhalten und verschwanden im Laufe der Zeit. Der Engel hing bis 1878 nicht seitlich wie heute, sondern in der Mitte vom Altar. Er war stets zur Decke hochgezogen und wurde nur bei Taufen herabgelassen. Der Blankenburger Taufengel ist nicht nur kunsthistorisch der wertvollste und einer der größten, er ist heute auch der letzte erhaltene im Berliner Raum.

Besonders bemerkenswert ist der mächtige, quadratische Turm mit seinen zwei Meter dicken Mauern. Er wurde vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts gebaut. Sein Obergeschoss enthält Rüdersdorfer Kalkstein und ist etwa 50 Jahre jünger.

Nicht nur die Brusthohe Friedhofsmauer aus Feldsteinen diente zur Verteidigung, auch der Turm. Bei genaueren hinsehen erkennt man Schießscharten. Diese dienten zur Verteidigung  und um Angreifer zu erspähen. Der Turm bot aber auch einen guten Ausguck, um bei Feuersgefahr den genauen Brandort zu bestimmen.

Das Thema Brandbekämpfung, war bei den Blankenburgern sehr früh ein Thema. Bereits um 1787 wurde direkt an der Friedhofsmauer das erste Spritzenhaus gebaut. Der Nachfolgebau wurde 1877 an selbiger Stelle errichtet und befand sich dort bis etwa in den 1930er Jahren.

Der Turm wies früher eine andere Form auf, als heute.

Um 1700 entstand das verputzte Glockengeschoss und wurde von einer aus Holz gezimmerten barocken Haube gekrönt.

1711 stiftete der König Friedrich I. eine große verkupferte Krone, da er ein Jahr zuvor das Patronat vom letzten Erben der von Barfuß, über Blankenburg erworben hatte.

In einer alten Volkssage heißt es dass die Blankenburger diese Krone als Dank von Friedrich Wilhelm II. erhielten, da sie seiner Geliebten Julie von Voß bei einer vorzeitigen Niederkunft auf ihrem Weg nach Buch aufopferungsvoll halfen. Dies entspricht allerdings nicht der Wahrheit. Vielmehr dürfte der Grund sein, dass die Krone auf dem Kirchendach von allen Seiten weit gesehen werden konnte und somit Blankenburg und auch die Umgebung sich in den Besitzungen der Residenzstadt Berlin einreihen konnte.

Die Krone und eine Glocke von 1680 kann man heute im Turmhaus besichtigen.

 

Der Blankenburger Nachtwächter Grothe musste 1848 zum amtlichen Verhör, weil

er nachts nicht mehr pünktlich die Stunden ausgerufen hätte. Wie sollte er auch, war doch im Zuge des Kirchturmausbaus die Turmuhr nicht mehr in Gang gekommen.

Der Dachstuhl des Kirchturms, bereitete den Bewohnern Blankenburgs oft Sorgen. Wie zum Beispiel 1741, da waren die Balken verfault. Im August 1894 beschädigte ein Hagelsturm das Dach und im selbigen Jahr schlug ein Blitz, mit Brandfolge ein. 1939 war der Dachstuhl des Kirchenschiffes vom Wurm zerfressen und der Oberbau vom Turm verrottet.

Im März 1940 beschloss der Gemeindekirchenrat die Reparatur des Turmes ruhen zu lassen und erst einmal den Innenraum der Kirche provisorisch wieder herzurichten.

Es war Krieg und somit mussten Material und Kosten eingespart werden.

Der Turm wurde mit einem flachen Notdach versehen und erhielt erst 1998 seine Spitze wieder. Allerdings eine pyramidenförmige, mit zehn Metern Höhe.

Der Blankenburger Kirchturm, ist somit der mächtigste aller Berliner Dorfkirchen.